Schloss Wedendorf fast 7 Jahrhunderte lang Herrensitz mecklenburgischen Landadels

Der lateinisch-französische Portalspruch des Erbauers aus dem Jahre 1697 bedeutet: „Das Landleben ist eine Lehrerin der Sparsamkeit, der Achtsamkeit und der Gerechtigkeit. Sorge dafür, dass es Dir nicht eine Gelegenheit zur Trägheit werde. Schätzt man des Menschen Wert nach seinem Grund und Boden, so vermisse das Haus nicht dieses Land, noch das Land dieses Haus.”

 

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Die Hirsch-Figuren auf dem Rasenrondell vor dem 1805 klassizistisch umgebauten Barockschloss symbolisieren ebenfalls Stolz und Bodenständigkeit einer Lebensform, die bis weit ins 20. Jahrhundert die Alltags-Geschichte der Region mit prägte. Herren auf Schloss Wedendorf schrieben aber auch europäische Geschichte.

Die Domäne Wedendorf war unter adeliger Herrschaft über Jahrhunderte ein lebensfähiges Gemeinwesen gewachsen, das besonders ab 1679 bereits auf überregionale, wenn nicht gar europäische Zusammenarbeit ausgerichtet und damit dem übrigen Mecklenburger Junkertum weit voraus war.

Persönlichkeiten

Gut Wedendorf (später auch Groß Hundorf, Gartow, Wotersen und Dreilützow) wurde Ende des 17. Jahrhunderts erworben durch Andreas Gottlieb den Älteren
von Bernstorff.

Dieser zunächst landlose Sohn des letzten Ratzeburger Domherren am Ende des Dreißigjährigen Krieges hatte sich sein Vermögen redlich verdient, als es noch allgemein üblich war, erfolgreiche Politiker großzügig zu honorieren.

Dazu hilfreiche Beziehungen knüpfte der studierte Jurist ab 1669 auf einer sogenannten Kavalierstour durch Europa. Am Hofe des französischen ”Sonnenkönigs“ Ludwig XIV. traf er so seinen ersten Dienstherrn Herzog Christian ”Ludwig“ I. von Mecklenburg-Schwerin.

Mit dem überwarf sich der 22-Jährige aber rasch, weil ihm die galante Herzogin Elisabeth Angélique de Montmorency und die von dem absolutistisch ambitionierten Potentaten gedemütigte Ritterschaft Mecklenburgs näher standen.

Die Familie von Bernstorff bewahrt noch heute aufschlussreiche Details aus dem Leben des erfolgreichen Junkers, Diplomaten und europäischen Staatsmanns. Er verhalf als Minister im Dienste der Herzöge von Braunschweig- Lüneburg schließlich 1714 dem Hannoveraner Kurfürsten als Georg I. auf den Königsthron von Großbritannien und Irland.

Daheim brachte Andreas Gottlieb seine juristischen Kenntnisse, diplomatischen Fähigkeiten und politischen Beziehungen in den Kampf der mecklenburgischen Stände gegen ihren allzu willkürlichen Herzog ein (führte zum Landesgrundgesetzlichen Erbvergleich – 1755).

Für seine aller erste Grundbesitzerwerbung Wedendorf entwarf der inzwischen zum Reichsfreiherrn Erhobene eigenhändig Pläne eines barocken Schlossbaus

(durch ”Dreieckshandel“ u.a. mit europäischen Manufakturwaren, Sklaven aus Afrika und Zucker sowie Rum aus der Karibik) reichsten Mannes in Europa, H.C. Graf von Schimmelmann – 1797 von einer Romreise nach Emkendorf, Ahrensburg und Knoop in Holstein mitgebracht. Höchst zufrieden wurde Pellicia bald darauf der gesamten adeligen Verwandtschaft empfohlen. Insgesamt zehn Jahre dauerte Pellicias sporadische – an die Fresken und Mosaike des antiken Pompeji und Vorlagen des Architekten Rabe angelehnte – Arbeit in Wedendorf.

Dank aufwändiger Restaurierung erhalten geblieben sind heute noch 13 der teilweise von Stuckornamenten und Fresken umrahmten Deckengemälde. Ausgeführt wurden diese Malereien fast ausnahmslos auf rückseitig gewebekaschiertem Papier.

Rundgang

Beim Betreten des heutigen Schlosshotels über die nördliche Freitreppe (durchs Hauptportal mit seiner lateinisch-französischen Inschrift) begegnen uns in der Diele bereits Bilddokumente aus dem Leben des einst hier beheimateten Mecklenburger Landadels unter der gemalten Illusion einer Kassettendecke.

Zur Linken das stuckverzierte Treppenhaus mit 27 gut erhaltenen Holzstufen und Geländer aus dem 19. Jahrhundert ist überkrönt mit einem prachtvollen Lüster von 1740 aus Schweden.

Geradezu, Richtung Süden, eröffnet der breite Durchgang zum Gartensaal mit Kamin einen freien Blick auf den weitläufigen Schlosspark am idyllischen Wedendorfer See. Auch hier ist die scheinbare Kassettendecke mit grafischen Arabesken und Rosette in floralen Motiven von G. A. Pellicia gemalt worden.

Sein schönstes im Schloss Wedendorf erhaltenes Motiv findet sich aber auf selbiger Etage im Ostflügel. Vom Gartensaal nach links durch einen der heutigen Frühstücksräume (mit interessanten Ansichten oder Plänen teilweise nicht mehr vorhandener Anlagen des Gutes Wedendorf) gelangt man in den Bernstorff-Saal.

Dieser heute größte Raum des Schlosses – einst herrschaftliches Schlafzimmer – zeigt im reich gegliederten Deckenschmuck eine anmutige Allegorie der Nacht, umgeben von den Sternzeichen des Tierkreises sowie antikisierten Ernte-Motiven.

An den Wänden sind Lithografien und Fotos aus dem Familienleben derer von Bernstorff auf Wedendorf von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis 1937 aufgehängt. Darunter befinden sich auch Porträts der geschichtlich bedeutendsten Bernstorff-Persönlichkeiten ihrer Zeit, die auf dem Schloss weilten.

Der etwas kleinere Hubertus-Saal unter der noch ursprünglich barocken Gewölbedecke im Westflügel erinnert mit seinem Interieur an die Schlossgründer aus dem Geschlecht derer von Bülow. Er wurde eine Zeit lang  gern als Trauzimmer genutzt. Auffälligste Dekoration ist ein original großer Abrieb einer figürlichen Doppel-Grabplatte aus dem hochgotischen Schweriner Backstein-Dom. Sie zeigt die Brüder Ludolf und Heinrich von Bülow, Bischöfe zu Schwerin am Anfang des 14. Jahrhunderts.

Daneben finden sich Repliken historischer Dokumente, Siegel und Wappen jener Zeit sowie eine Ahnentafel der Landesherren von Mecklenburg-Schwerin.

Deren Ahnenreihe geht bis auf das Jahr 1125 zurück, als in dieser Gegend noch slawische Bevölkerung (Wenden) vorherrschte.

Direkt über den beiden Sälen sind an den seeseitigen Erkern heutzutage die Zimmer 104 und 107 als Hochzeits-Suiten eingerichtet. In diesen beiden Süd-Suiten sowie in den Juniorsuiten 108 und 205 sind unterschiedlich farbenfrohe Deckengemälde mit floralen Motiven, kleinen Gesichtern bzw. fiktiven Darstellungen aus dem Landleben der römischen Antike.

Das Zimmer 105 zieren Zeichnungen aus dem Familienleben derer von Bernstorff sowie eine in Blautönen gemalte Prunkdecke, die wohl zum (früher viel größeren) Festsaal gehörte. Direkt darüber befand sich im Zimmer 202 einstmals die Schloss-Bibliothek, deren niedrige Kassettendecke mit Pellicia- Ornamenten sowie ehemalige Bücherschränke in den Wänden noch teilweise erhalten sind.

Auch in den Fluren bis hinunter ins Erdgeschoss mit seinen vom Vorgängerbau übernommenen Gewölben begegnet man bildlichen Zeugnissen der einstigen adeligen Schlossherren und ihrer Taten. Die allermeisten dieser Junker folgten nach Möglichkeit jenen Grundsätzen, welche ihr Ahnherr Andreas Gottlieb von Bernstorff im Jahre 1720 für den Umgang mit dem Erbe postuliert hatte:

Danach sei der Grundbesitzer eigentlich nur Treuhänder, der als Glied einer langen Kette von Generationen die vorrangige Aufgabe habe, den Besitz möglichst uneingeschränkt und unbeschädigt zu vererben. Dem Erben obliege somit Verantwortung für die Familie sowie die ihm anvertrauten Menschen und natürlichen Lebensressourcen.

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Geschichte

Der Ortsname Wedendorf taucht zum ersten Mal in Urkunden aus den Jahren 1230 bis 1234 als Siedlung slawischen Ursprungs auf. Die Burg am Seeufer wurde vermutlich an Stelle eines seinerzeit typisch ringförmigen Slawen-Burgwalls errichtet.

Ihre Gründer waren wahrscheinlich dem nahen Bistum Ratzeburg verbunden bzw. Gefolgsleute (Ritter und Knappen) der ersten Grafen von Schwerin während der mittelalterlichen deutschen Ost-Expansion (Wenden-Kreuzug ab 1147) unter Heinrich dem Löwen.

Als Besitzer des ”Eigen Wedendorf” sind von 1255 bis 1679 Mitglieder der Familie von Bülow verbürgt. Dieses Geschlecht Mecklenburger Uradels stammt aus dem gleichnamigen Dorf westlich des von Ihnen maßgeblich ausgestatteten Nonnenklosters Rehna. Die Herren von Bülow auf Wedendorf waren auch Stifter der Dorfkirche von Kirch-Grambow (1267) auf der gegenüberliegenden Seeseite, was u.a. das ”gepunktete“ Adelswappen mit dem Bülow-Vogel (Pirol oder Goldamsel) auf den ältesten erhaltenen Grabplatten beweist.

Herausragende Persönlichkeiten aus diesem Adelsgeschlecht waren zu jener Zeit u.a. Bischöfe zu Schwerin und Lebus aber auch sogenannte Raubritter – wie Heinrich, dessen Brandschatzung 1383 das ”Hostienwunder von Wilsnack“ initiierte – sowie ein General nach Abschluss des Dreißigjährigen Krieges.

Auf Wedendorf allerdings sind die Herren von Bülow zumeist als ”Ritter und Rath“ verewigt.

Nach fast 425 Jahren ging Gut Wedendorf an die Familie von Bernstorff über. Ein Sühnestein mit dem Wappenbild dreier Seerosen und einem betenden Ritter von 1359 belegt deren Ursprung in dem nur wenige Kilometer nördlich gelegenen Ort Bernstorf.

Seine vorwiegend agrarische Wirtschaftsgrundlage (auf bis zu 554 Hektar) brach allerdings in Folge der Hyperinflation am Ende der 1920er Jahre zusammen

.Notgedrungen an die Mecklenburger Landgesellschaft verkauft, wurde der Grundbesitz 1933 vollständig aufgesiedelt.

Das ehemalige Herrenhaus des Rittergutes Wedendorf erwarb 1934 der Konsul Fritz Hagen aus Lübeck – damals Chef des Handelshauses Thams & Garfs.

Dessen Interesse galt jedoch mehr der in unmittelbarer Nähe des Schlosses betriebenen „Biberzucht“ (Nutria-Sumpfbiber als Pelztiere), als dem Erhalt des historisch wertvollen architektonischen Kleinods. Hagen ließ das Schloss Wedendorf ungeachtet eines denkmalpflegerischen Gutachtens rücksichtslos zur eigenen Bequemlichkeit umbauen. Dabei ging bereits vieles vom historischen Interieur verloren.

Nach Ende des 2. Weltkriegs diente das enteignete Gutshaus vorübergehend als Notquartier für Flüchtlinge aus den ehemals deutschen Ostgebieten.

Doch schon 1946 zog hier eine acht-, später zehnklassige allgemeinbildende polytechnische Oberschule ein, in der bis 1975 alle Kinder der umliegenden Dörfer unterrichtet wurden.

Nach umfangreicher Instandsetzung mit den damals verfügbaren Mitteln diente Schloss Wedendorf von 1976 bis zur politischen Wende als Bezirks-gewerkschaftsschule und Ferienheim des FDGB der DDR.

Katharina Haupt-Bernrieder ist die Wiederherstellung von Schloss Wedendorf als Gesamtkunstwerk zu verdanken. Die aus einer Hoteliersfamilie stammende Münchenerin erwarb das 17-Hektar-Areal 1992 aus Treuhand-Verwaltung und investierte ab 1996 beträchtliche Summen in die denkmalgerechte Generalsanierung der Gebäude.

Ab dem Jahr 2000 wurde das in naturgeschützter Landschaft direkt am Wedendorfer See gelegene Schloss mit dem klassizistischen Marstall schrittweise seiner heutigen Nutzung als Vier-Sterne-Hochzeits-, Urlaubs- und Tagungshotel mit Museumscharakter zugeführt.

(zweigeschossiges Mittelhaus mit Freitreppen und dreistöckigen Seitenflügeln), die allerdings erst nach 18 Jahren, 1697, vollendet wurden.

Seinem begabten Enkel spendierte A.G. d.Ä. auf Schloss Wedendorf den bewährten Hauslehrer Johann Georg Keyssler, der sich später noch als bedeutender Erforscher nordischer Altertümer und Reiseschriftsteller einen Namen machte.

Diese frühe Förderung und Erziehung im Geiste der Aufklärung sowie der Umstand seiner Geburt in gerade jenem Jahr 1712, das durch die Schwedenschlacht bei Wakenstädt (unweit von Gadebusch) schicksalhaft für die Anrainer der westlichen Ostsee war, hatten maßgeblichen Einfluss auf den Werdegang des späteren königlich dänischen Staatsministers

 

SKIZZE

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Wedendorfer Schlossbezirk (die Karte von 1769 zeigt auch
einen geometrisch angelegten Barockgarten)

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Johann Hartwig Ernst von Bernstorff

Dessen u.a. mit dem Grafenstand und Schloss Bernstorff bei Kopenhagen belohntes Wirken ermöglichte Nordeuropa eine der stabilsten Friedensperioden jener Zeit und die Befreiung der bis dahin leibeigenen Bauern in ganz Dänemark und Holstein nach dem Vorbild der Bernstorff’schen Landgüter.

1803 übernahm Ernst Graf von Bernstorff – unter Friedrich Wilhelm II. preußischer Kammerherr, Legationsrat und Protegé des königlichen Staatsministers Graf Schlitz – nach seinem Abschied aus Berlin das in knapp fünf Jahren Fremdverpachtung heruntergekommene Familiengut.

Ernst von Bernstorff entschloss sich zum klassizistischen Umbau des Wedendorfer Herrenhauses, der dann fast schon einem Neubau gleichkam. Charakteristisch für diesen Herrn auf Wedendorf war das u.a. im Bestand seiner Bibliothek belegte außerordentliche Interesse für die Landwirtschaft aber auch nicht weniger für die Baukunst.

Er beauftragte den bekannten Berliner Architekten und Historiker Martin Friedrich Rabe aus dem illustren Kreis um Gilly, Gentz und Schinkel, der u.a. schon an der Marienburg, Schloss und Dorf Paretz sowie dem Weimarer Fürstensitz gearbeitet hatte. Dieser Baumeister erhöhte in Wedendorf nicht nur den Mitteltrakt und das Dach des ursprünglichen Barockschlosses und gliederte die Fassade klassizistisch neu. In den Park wurde ein damals modischer 3- Flügel-Marstall als Domizil für Pferde und Kutschen gebaut. Auch die Änderungen der Raumaufteilung sowie Entwürfe zur Innenausstattung einschließlich der Öfen und Möbel gingen auf das Konto des späteren Professors der Berliner Bauakademie.

Speziell für die Dekorationsmalerei engagierte Ernst Graf von Bernstorff den Italiener Guiseppe Anselmo Luigi Pellicia – einen der seinerzeit beliebtesten Meister des pompejianischen Stils. Den akribischen Künstler hatte Friedrich Karl Graf von Reventlow – Schwiegersohn des Kieler Kaufmanns und damals

 

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